Muss Vegan immer gleich dogmatisch sein?!

by Nati
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“Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden; und in weiterer Folge die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zu Gunsten von Mensch, Tier und Umwelt fördert. In Bezug auf die Ernährung bedeutet dies den Verzicht auf alle Produkte, die zur Gänze oder teilweise von Tieren gewonnen werden.”

Mittlerweile ernähre ich mich seit über drei Jahren vegan. Ich achte nun nicht mehr nur bei meiner Ernährung darauf, ob es vegan ist, sondern auch in allen anderen Lebensbereichen. Nach so vielen Jahren des Lernens öffnet man seine Augen auch für andere Dinge. Man wächst mit der Zeit und entwickelt ein Bewusstsein.

Ich bin dankbar dafür, dieses Schritt gegangen zu sein. Mein Ziel ist es nicht perfekt zu sein, das war und bin ich nicht. Auch ich habe früher Fleisch gegessen und willkürlich billige Kleidung geshoppt, aber ich habe gelernt und mit der Zeit erfahren wie schlecht mein Handeln für die Welt und deren Lebewesen sein kann. Also habe ich für mich entschieden so nicht mehr weiter zu machen.

Dennoch bin ich nicht in der Position andere zu verurteilen, wenn sie anders leben. Ich verurteile niemanden, der neben mir Fleisch ist oder regelmäßig Kleidung shoppen geht. Wie gesagt ich bin nicht in der Position, da auch ich nicht anders gehandelt habe. Diese Person weiß es eben noch nicht besser und muss, so wie ich, erst ein Bewusstsein dafür entwickeln. Ein Bewusstsein dafür was unser Handeln auslöst, denn alles herrscht nach dem Prinzip “Ursache-Wirkung”.

Muss jeder vegan leben?

Die Antwort ist: Nein. Und weißt du warum? Es ist unrealistisch. Es ist auch nicht gesundheitsschädlich wenn man gelegentlich Fleisch oder Milchprodukte verzehrt – damit kommt der Körper klar, denn er ist ziemlich robust. In unserer heutigen Zeit ist die Vorstellung von gelegentlich leider unmöglich. Wir leben im Überfluss. Das Überangebot der Ware verleitet uns dazu es als selbstverständlich anzusehen, dass es normal und auch gesund wäre so viel tierisches Protein zu uns zu nehmen, da es der Körper gar brauchen würde.

Dennoch, wenn wir alle – jeder einzelne – ein größeres Bewusstsein für unser Tun entwicklen würden, dann wäre diese Welt definitiv ein besserer Ort.

Warum bin ich dann vegan? “Das ist doch viel zu extrem!” – bekomme ich immer noch zu hören. Die Antwort ist für mich so offensichtlich und selbstverständlich, aber ich bin niemandem böse der es nicht so sieht:

Die Massentierhaltung, die abnormale Verwendung von Antibiotika und auch die zunehmende Wasserverschwendung sowie Urwaldrodung. Das sind nur ein paar der Gründe warum ich auf Fleisch und andere tierische Produkte verzichte. Für mich macht es einfach keinen Sinn, dass für die 15 Minuten die ich mein Essen mit einem Stück Fleisch verzehre, so viel Leid und Verschwendung statt finden sollte.

Jetzt stellt sich die Frage warum ich nicht einfach Vegetarierin bin, würde das doch das Leben vereinfachen. Zum einen, ich bin eine von vielen die an einer Laktoseintoleranz leidet. Das allein schließt es von vornherein schon aus, dass ich Milchprodukte zu mir nehme. Allerdings würde ich auch ohne Allergie mittlerweile darauf verzichten.

Zu viel Studien haben die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Milchprotein auf den Körper bewiesen. Zu hoch ist das Risiko für Krebs und allen weiteren “Wohlstands-“Erkrankungen wie z.B. Diabetes oder Osteoporose. Informiert man sich auch hier ein bisschen weiter, erkennt man schnell wie korrupt die Milchlobby handelt und dass die Kühe (und alle anderen milchgebenden Tiere) ausgenutzt werden.

Wie ist es mit Honig?

Honig und der Veganismus sind immer noch ein Streitthema und wird immer wieder heiß diskutiert.

Natürlich ist es ein tierisches Produkt und laut Definition von Veganismus, sollte man darauf auch verzichten, da für die Herstellung Tiere benötigt werden und wir das Produkt Honig den Bienen wegnehmen.

Meine Einstellung ist ein bisschen anders. Da Basti ein Hobby-Imker ist, haben wir uns beide ausgiebig mit dem Thema auseinandergesetzt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass der Honig vom Imker nebenan ohne bedenken verzehrt werden kann. Zum einen ist es keine Massenproduktion, wie es zum Beispiel in der empfehlenswerten Dokumentation “More than Honey” gezeigt wird.

Zum anderen ist Honig aus deiner Gegend gesund für dich. Nicht nur weil er antibakteriell und entzündungshemmend ist, sondern weil er die Pollen enthält die an deinem Ort in der Luft sind. Gerade solcher Honig ist für Menschen mit Pollenallergien wichtig, da sie ihre Allergie damit abschwächen können.

Ein weiterer Grund für die Unterstützung der Klein-Imker ist nun mal das wirklich passierende Bienensterben. Es ist wichtig das dagegen angekämpft wird, denn ohne Bienen leben die Menschen – wie schon Einstein sagte – nicht mehr lange.

Bienensterben hat viele Ursachen. Hauptursache #1 ist nun einmal unsere Landwirtschaft mit Monokultur und Pestiziden. Natürlich gibt es auch eingeschleppte Krankheitserreger bzw. Parasiten und der Klimawandel tut ebenfalls sein übriges.

Lass doch den Bienen einfach den Honig!

Das ist einfacher gesagt als tatsächlich umzusetzen. Wie oben erwähnt herrscht Monokultur auf unseren Feldern. Wenn Bienen also in der nähe eines Rapsfeldes sind, dann fliegen sie erst einmal nur dort hin. Raps beispielsweise wird so hart in der Beute (= Bienenkasten), dass die Bienen ihn nicht mehr verarbeiten könnten und verhungern würden. Ohne Monokultur würde es solche Vorfälle natürlich nicht geben.

Jetzt denkst du dir, dass man nur schlechtes Zuckerwasser am Ende zuführt und den ganzen Honig klaut. Ein guter Hobby-Imker lässt normalerweise etwas Honig zurück, da das für das Immunsystem der Bienen extrem wichtig ist. Was das Zuckerwasser betrifft, es ist hochwertig und so aufgespalten, dass die Bienen es gleich verwerten können.

Also, wir essen den Honig. Er ist gesund, sofern man ihn vom örtlichen Imker kauft und man unterstützt das Bienenwohl auf der Erde, welches extrem wichtig ist. Das sind meiner Meinung nach gute Gründe und ich stehe dazu.

the end of the story

Jeder muss für sich selbst entscheiden worauf und auch wie viel er verzichtet. Ich bin nicht der Meinung das Vegan der beste Weg für jeden ist. Jeder Mensch ist anderes und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Dennoch, das was ich vermitteln will und was mir am wichtigsten ist, ist dass man ein größeres Bewusstsein entwickelt. Es passiert so viel negatives auf dieser Welt und es liegt immer in der Hand des Konsumenten, denn auf seine Entscheidungen wird reagiert. Deshalb: Jeder Einzelne zählt, auch wenn du glaubst du alleine kannst eh nichts ändern.

 

 

Quelle: https://www.vegan.at/inhalt/definition-veganismus (Zugegriffen am 29.03.18)

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6 comments

Karin 24. Juni 2018 - 9:31

Hallo, liebe Nati,
ich bin gerade erst in der Phase der Umstellung. Reste aus den Schränken verwerten, aber schon OHNE Fleisch, Ei und Milchprodukten.
Stütze mich immer gern auf deinen Blog und lese mich von Artikel zu Artikel und verfolge dich bei Instagram.
Habe aber noch nichts gefunden, WIE du umgestellt hast. Gibt’s da vllt einen Faden, den ich evtl verfolgen könnte?
LG, Karin

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Nati 2. Juli 2018 - 15:54

Hallo Karin,

das freut mich natürlich immer sehr zu hören 🙂

Ja, leider fehlt ein Beitrag zu meiner Hintergrundgeschichte und dem Umstieg. Bei mir war das so, dass ich von einem Tag auf den anderen Umgestiegen bin und zunächst mit Ersatz gearbeitet habe. Vor allem hab ich viel selbst gemacht, da es damals z.B. noch keinen Quark zu kaufen gab und auch Käse stand nicht sonderlich viel zur Auswahl. Deswegen würde ich Ersatzprodukte (in Maßen) am Anfang überhaupt nicht verwerflich finden. Auch ich kaufe gelegentlich sehr gerne veganen Käse oder Bratwürstchen – meiner Meinung nach immer noch 1000 x gesünder als die tierische Alternative 🙂

Das Ding ist, jeder Mensch ist anders. Der eine hat überhaupt kein Problem einen kompletten Strich zu ziehen, der andere muss es Schrittweise machen. Ich sag dir einfach, hör auf deinen Körper, messe dich nicht an anderen und sei vor allem nicht so streng mit dir, solltest du mal aus versehen was essen wo etwas tierisches drinnen war. Das Wichtigste ist einfach, dass du dich informierst und dazu gehört leider immer die Zutatenliste zu lesen, zu fragen, ob der Wein vegan ist oder in den Semmeln Milch drinnen ist usw.

Wenn du bestimmte Fragen hast, dann kannst du sie mir gerne stellen. Vielleicht werden ich auch gerne einen Blogbeitrag dazu verfassen 🙂

LG, Nati

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Svenja 9. April 2018 - 18:38

Sehr schöner, sachlicher Artikel.
Den Punkt zum Honig unterschreibe ich dir auch Großteils, auch wenn ich selbst darauf verzichte.
Doch so nah wie du an der Quelle lebst, und dich vergewissern kannst, das alles gut ist, da kann man nicht böse drum sein.

Auch wenn ich manchmal gern vor Ärger in Diskussionen und bei dummen Anti Vegan Sprüchen, an die Decke geh und dann auch gern mal den militanten Veganer raushängen lasse, so versuche ich es doch ähnlich entspannt zu leben.

Ohne Zeigefinger, gern aber mit ausgestreckter Hand, Tipps, Ratschlägen und gutem Essen. 🙂

Macht weiter so.
Alles liebe
Svenja

Reply
Nati 15. April 2018 - 10:07

Vielen lieben Dank für dein Feedback!

Bei mir kommt’s auf die Situation drauf an. Bei sinnlosen Sprüchen, die nur als Angriff gewertet werden können, da bleib ich auch nicht locker 😉

Und ja, ich kann deinen letzten Satz nur unterschreiben. So erreicht man schließlich viel mehr 🙂

Liebe Grüße
Nati

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Barbara 29. März 2018 - 21:27

Ein sehr interessanter Artikel! Ich lebe selbst “nur” zu ca 90% vegan. Honig esse ich aus ähnlichen Gründen wie du, und hin und wieder gibt es auswärts auch Milchprodukte. Zu Hause kaufe ich aber nur vegan – das ist für mich ein einfach lebbares system 😊

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Nati 31. März 2018 - 18:46

Danke liebe Barbara, für dein Feedback und auch wie du das handhabst. Ich find das völlig in Ordnung so – ich mein, immerhin 90 % anstatt nur 20 % 🙂

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